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Zehn Tipps für den respektvollen Umgang mit behinderten Menschen

Tipp 1
Anrede: Reden Sie mit dem Menschen – nicht über ihn hinweg
Viele Menschen mit Behinderungen wundern sich, dass sie in der Anrede übergangen werden. Da wird dann
zum Beispiel die Begleitperson gefragt: „Möchte Ihr (blinder) Mann noch etwas trinken?“ Haben Sie keine
falschen Hemmungen, den Menschen mit Behinderung direkt anzusprechen. Wenn Sie mit Menschen im
Rollstuhl oder kleinwüchsigen Menschen sprechen, bemühen Sie sich um gleiche Augenhöhe, indem Sie sich
setzen.

Tipp 2
Alltag: Unterstützung anbieten – und abwarten
Generell ist es höflich, wenn Sie Ihre Hilfe anbieten. Noch höflicher ist es, geduldig auf die Antwort zu
warten. Viele Menschen werden sofort voller Hilfsbereitschaft handgreiflich, doch einen Übergriff hat
niemand gern. Akzeptieren Sie freundlich, wenn jemand Ihre Hilfe nicht in Anspruch nehmen möchte.

Tipp 3
Information: Kommunizieren Sie besser zu viel als zu wenig
Gerade für blinde Menschen ist es wichtig, dass Sie ausgiebig kommunizieren, zum Beispiel bei der
Begrüßung. Sagen Sie: „Hallo Max, ich bin´s, Sabine. Herr Müller kommt auch gerade zur Tür herein.“
Geben Sie Bescheid, wenn Sie Ihren Platz verlassen. So vermeiden Sie, dass Ihr Gegenüber sich später mit
einem leeren Stuhl unterhält, weil er denkt, Sie wären noch da. Das ist für den blinden Menschen sehr
unangenehm.

Tipp: Achten Sie bei der Begrüßung auf die Körpersprache des blinden Menschen und fragen Sie „Wollen
wir Händeschütteln?“ Bedenken Sie, dass der Handschlag eine wichtige Möglichkeit ist, um Informationen
über Sie zu erhalten und Sie zu begreifen. Fragen Sie beim Ortswechsel: „Darf ich Ihnen meinen Arm
anbieten?“

Tipp 4
Respekt: Beachten Sie die Distanzzonen
Gerade für Menschen mit Behinderungen ist es besonders wichtig, dass andere die Distanzzonen beachten.
Fremden erwachsenen Menschen sollte man selbstverständlich nicht ohne weiteres den Kopf streicheln oder
die Schulter tätscheln. Ein grobes Foul ist es, den Blindenstock zu verlegen, die Position des Rollstuhls zu
verändern oder ihn gar als Garderobenständer zu missbrauchen. Hilfsmittel sind für Menschen mit
Behinderungen etwas sehr Persönliches und für Fremde tabu. Eine fremde Handtasche würde man
schließlich auch nicht ohne weiteres ergreifen. Denken Sie auch daran, dass der Blindenhund „bei der
Arbeit“ ist und lenken Sie ihn nicht ab. Fragen Sie ggf. nach, ob Sie ihn streicheln dürfen und akzeptieren
Sie, wenn die Antwort „nein“ lautet.

Tipp 5
Normalität: Keine Angst vor Redewendungen
Sagen Sie ruhig „Auf Wiedersehen“ zu einem blinden Menschen und fragen Sie die Rollstuhlfahrerin, ob sie
mit Ihnen „spazieren gehen“ will. An diesen gängigen Formulierungen stören sich Menschen mit
Behinderungen in der Regel nicht.

Tipp 6
Sorgfalt: Vorsicht vor Diskriminierung
Sprachliche Sorgfalt ist gefragt, wenn Sie über Menschen sprechen. Gehörlose Menschen sind nicht
taubstumm, sondern kommunizieren über die Gehörlosensprache und sind gehörlos, aber nicht stumm.
„Mongoloismus“ ist keine Diagnose, sondern eine Diskriminierung. Sprechen Sie von „Down-Syndrom“
oder von „Trisomie 21“. Reden Sie statt von „Behinderten“ besser von „Menschen mit Behinderungen“.

Tipp 7
Ansehen: Suchen Sie Blickkontakt
Sie schenken einem Menschen Ansehen, indem Sie ihn ansehen. Für schwerhörige Menschen ist diese
Höflichkeit besonders wichtig, da Mimik und Gestik beim Verstehen helfen. Wer schon einmal einen
Referenten erlebt hat, der beim Schreiben mit dem Rücken zum Publikum redet, kennt den Effekt. Wenden
Sie Ihr Gesicht zum Gegenüber, doch vermeiden Sie es, ihn anzuschreien oder in Babysprache zu sprechen.
Schwerhörigkeit sollte nicht mit Begriffsstutzigkeit verwechselt werden.

Tipp 8
Beachtung: Der Dolmetscher hat die Nebenrolle
Wenn ein Dolmetscher im Einsatz ist: Sehen Sie beim Sprechen nicht den Dolmetscher, sondern Ihre
Gesprächspartnerin an und wählen Sie die direkte Anrede mit „Sie“ bzw. „Du“. Ihre Gesprächspartnerin hat
die Hauptrolle, der Dolmetscher die Nebenrolle. Dies stellt für den Dolmetscher keine Unhöflichkeit dar.
Generell gilt: Erwachsene Menschen mit und ohne Behinderung werden gesiezt. Bleiben Sie beim Sie oder
klären Sie die gleichberechtigte Anrede. Etwa: „Wollen wir Du zu einander sagen?“

Tipp 9
Small Talk: Keine plumpe Neugier
Plumpe Neugier ist im Small Talk generell tabu. Fragen Sie Ihren Gesprächspartner nicht, warum oder seit
wann er eine Behinderung hat. Wenn er will, wird er Ihnen die Geschichte von selbst erzählen. Anstarren
gehört nicht zu den guten Umgangsformen. Bedenken Sie, dass auch blinde Menschen Blicke spüren.

Tipp 10
Bewusstsein: Die Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen
„Eine Rollstuhlfahrerin ist eine Frau und außerdem vielleicht Angestellte, Vereinsmitglied, Mutter oder
Temposünderin. Die Behinderung ist nur ein Merkmal von vielen“ sagt Katja Lüke. Verzichten Sie darauf,
Menschen auf die Behinderung zu reduzieren. Eine Bemerkung wie „Wie toll, dass Sie trotz Ihrer
Behinderung mobil sind“ ist genauso unpassend wie „Als Frau können Sie aber relativ gut Auto fahren.“
Begreifen Sie Andersartigkeit nicht als Makel, sondern als Vielseitigkeit: Behinderte Menschen können
vieles, was Nichtbehinderte erstaunt.